Die weiße Rose

„In der westlichen zeitgenössischen Kunst kommt es heute eher selten vor, dass Künstler zu deutlichen oder gar drastischen Mitteln greifen, um politische, gesellschaftskritische Probleme zu thematisieren und anzuprangern. In der übrigen Welt sieht das jedoch ganz anders aus.“ Quelle: https://artsation.com/journal/editorial/political-art-today

„Seit Millionen Flüchtlinge nach Europa kommen, scheint die Kunstwelt mit dem aktuellen Geschehen kaum Schritt halten zu können. Banksy und Ai Weiwei allerdings scheinen da eine Ausnahme zu bilden – ihre Werke sind schnell zu verstehen, schnell zu teilen.“ Quelle: http://www.art-magazin.de/kunst/15995-rtkl-debatte-politische-kunst-die-schlacht-der-bilder

Diesen beiden Behauptungen will ich zwei meiner ersten Werke und einen kurzen Essay, der auch meine Bilder erklären soll, entgegensetzen!

Die Bilder:

Die weiße Rose.

Sie steht also für meine guten Absichten und die Widerstände, die von Gott oder zumindest von meinem Gewissen gelenkt werden.

Der Fall 213747.

Er steht für mögliche Perspektivenwechsel, die ich vollziehe und die der Betrachter vollziehen kann, wenn er will.

 

Die weiße Rose

und

Der Fall 213747

ein Essay von Ralph Baumann

Nicht dass es mir erneut um Mohammed ibn Abd Allah ginge und um die Frage, die unaufhörlich in weiten Kreisen kreist, ob er nun wahrhaft der einzige Prophet gewesen wäre, nicht ginge es mir um die eine oder andere Religion oder den einen Gott oder gar das eine Volk, das ein Auserwähltsein von sich glaubt.

Auch nicht dass ich mich um ein Urteil bedrängt fühlte, das ich mir erdreistete abzugeben, über die unglaublichen Gräueltaten, die in eben diesen Zeichen ihre Handlungen finden und von verlorenen Seelen und verlassenen Geistern à la Anis Ben Othman Amri oder den Schlächtern des schwarzen Klans verübt werden.

Nicht dass es mir um eine weitere Anfeindung religiöser Gruppierungen und deren terroristische Absichten ginge, nicht um die ebenso radikale wie gefährliche Kriegserklärung, die ein selbstverliebter nationalistischer US-Milliardär namens Donald Trump einem selbstverliebten, sein eigenes Volk zutiefst verachtenden Despoten Nordkoreas namens Kim Jong-Un ausspricht und sich mit dieser Kriegserklärung, von dessen provokativen Drohgebärden affektiert, auf ein höllisches Planspiel im globalen Sandkasten einlässt.

Nicht dass es mir um die radikalen Ansichten ginge, die, wenn auch auf einer anderen Bühne aber nicht weniger bedrohlich, von einer braunen nicht aus Polen oder Weißrussland sondern aus Deutschland stammenden Lichtgestalt namens Gauland verkündet werden, der mit wehenden Fahnen und sagenhaften 13 Prozent der Stimmkraft eines die Freiheit liebenden Volkes in ein demokratisch gewähltes Parlament einziehen darf und der „unser Land und unser Volk zurückholen will“.

Nicht dass es mir auch nur um irgendein einziges dieser verrückten Geschehnisse ginge, die da Draußen passieren.

Wären da nicht Tausende und Abertausende Stimmen zu hören, die mir immer wieder einflüsterten: „Du musst aktiv werden! Habe Mut! Verteidige diese großartige Idee von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit! Setze dich ein für die Grundrechte! Hilf aufzuklären! Gehe auf die Straße! Verkünde deine Werte! Höre zu! Schenke deine ganze Aufmerksamkeit deinem Gegenüber! Beziehe Position! Doch sei voll Frieden! Sei voll Freundlichkeit! Sei voll Respekt! Sei offen für Andersdenkende! Lade ein! Nimm dir Zeit! Übe Einfühlungsvermögen und Toleranz! Urteile nicht! Verstehe! Begegne! Lebe!“

Um was es mir also vielmehr geht, das sind die Ängste und Befürchtungen, die während der letzten zwanzig, dreißig Jahre hervorgerufen wurden und nun langsam ihre Gesichter bekommen. „Hervorgerufen“, weil sie wohl schon immer an einem Ort gewesen sein mussten, woher sie aufgerufen werden konnten. „Gesichter“, weil ich für mich beginne, sie deutlicher als das zu er- und bekennen, was sie wirklich sind. Allerdings erklären mir meine Ängste aufgrund ihrer indifferenten inneren Verwobenheit auch, dass sie schwer vermittelbar sind und deshalb von meiner Vernunft und meinem Verstand nur mit großen Anstrengungen zu zähmen sind, geschweige denn, dass sie von anderen, selbst von den mir nahestehenden Menschen nachvollzogen werden könnten oder dass es ihnen gar möglich wäre, sie per tröstender Empathie und wohltuender Handauflegung zu beschwichtigen. Beides aber, mein Verstand und das Verständnis meiner Mitmenschen also, wäre gerade jetzt dringend zum Widerstand gegen diese Ängste von Nöten.

Denn viele in der Mitte der Öffentlichkeit stehende Personen, vorrangig Politikerinnen und Politiker, bedienen sich jüngst einer Formel aus der eher therapeutischen Nomenklatur und diagnostizieren mit großer Überzeugungskraft dem nach rechts fliehenden Klientel „Ängste, die wir ernst nehmen müssen“.

Die so formulierten Ängste haben jedoch ganz anderes zum Ziel, nämlich das rasche Wachsen rechtsradikaler Gruppierungen einzudämmen, das Ausbremsen angstschürender Mutmaßungen, dass die vermeintlichen allseitigen Bedrohungen ins Uferlose wachsen könnten und vor allem die Ängste derjenigen zu beschwichtigen, die anfangen zu befürchten, dass es nicht nur in Deutschland erneut zu einer Rechtsradikalisierung kommen könnte, wie wir sie in ihrer faschistoiden Grausamkeit nicht noch einmal erleben möchten, kurz: die Angst der „normal“ Ängstlichen vor den „wütenden“ Ängstlichen. Somit belanglos beschreibt diese öffentliche Diagnose lediglich ein reaktionäres Verhalten, das zwar innersten Ängsten entspringen mag, die unausgesprochen und unbehandelt jede Person, auch die in der Öffentlichkeit stehende, mehr oder weniger depressiv zu durchleiden hat, sie erklärt jedoch nicht die ursächlichen innersten Ängste selbst.

Bei einer ehrlichen Betrachtungsweise bleiben sowohl die Anzahl der Opfer, die durch terroristische Anschläge zu beklagen sind, als auch die Anzahl der Flüchtlinge, die aufgenommen oder ausgegrenzt werden, ohne jede Bedeutung. Der Zeitpunkt und der Ort der psychischen Erschütterung spielen eine untergeordnete Rolle, oder besser die Zeitnähe und die Technik der Berichterstattung von Begebenheiten:

So gerieten zum Jahresanfang von 2015 zumindest in Europa die über 3000 Toten von 9/11 angesichts der Aktualität der 12 Toten von 7/1 (2015) aus dem Blickfeld der Betroffenen. Was die mediale Unmittelbarkeit im Wohnzimmersessel zu bewirken vermag ist trügerisch: echte unmittelbare Betroffenheit, die Ängste freisetzt? Tatort – und aus?

Ebenso verhält es sich mit der konkreten Anzahl von Flüchtlingen, die wir in 2015 und 2016 aufgenommen haben, ob 213747 oder 2,14 Millionen hat für die Opfer der Angstpolitiker keinerlei Bedeutung: es waren in jedem Fall zu viele. Das meine ich nicht irgendwie zynisch, sondern das erfuhr ich kurz vor der Wahl in den Diskussionen mit meinem Gemüsehändler im Laden um die Ecke.

Meine Absicht in dieser kurzen Arbeit ist es, die tautologische Zwickmühle aufzuzeigen, in der wir alle uns befinden und dabei zu helfen, neue Ausdrucksformen für unsere Ängste zu entwickeln.

Denn die Angst vor den Wütenden, die sich in ihren Ängsten zu radikalem Mob solidarisieren, ist die eigentliche Bedrohung, der wir uns stellen müssen! Sie entspricht exakt der Angst vor Terrorismus, denn für mich waren die Ausschreitungen in Hamburg nichts anderes als hausgemachter Terror – 120 verletzte Polizisten!

Mit Entsetzen verdränge ich den schrecklichen Gedanken, der mir angesichts der Krawalle und der terroristischen Anschläge in unseren Großstädten und der Hilflosigkeit der Polizei in den Sinn kommt, mich selbst zum Schutz meiner Familie bewaffnen zu müssen. Ich bemerke: ich fühle mich nicht mehr sicher!

Diese inneren Reaktionen sind es, die statistisch in der Gesellschaft nicht erfasst werden können, weil sie besonders persönlich ausgeprägt sind und vom einzelnen Menschen meist aus Scham nicht offen angesprochen werden (allerdings lässt sich erfassen, dass sich Schützenvereine einer stark wachsenden Mitgliederzahl erfreuen – nicht dass ich die AFD als Schützenverein bezeichnen wollte);

Innere Symptome also, die aus einem Angst schürenden Beigeschmack herrühren, der Begriffen vom Gläsernen Menschen bis zum Wutbürger und der Lügenpresse anhaftet, finden in ihrer Radikalisierung einen Ausdruck, ein Ventil. Die Liste solch gearteter Begriffe ist lang. Allesamt bezeichnen sie neben Fortschritt und Wandel immer auch Einschränkungen der im ausklingenden Wirtschaftswunder errungenen und etablierten Standards unserer Gesellschaft. Die bedrohlichen Wirkungsweisen sind ausgerichtet und die Richtungen lassen sich leicht zuordnen: beispielsweise meine existenzielle Sicherheit, mein Wohlstand, meine Freiheit, mein Glaube, meine Würde, meine Identität, mein Vertrauen.

Und dann, dann ist da noch die Schere, dann die Spaltung und schließlich das Auseinanderfallen der Gesellschaft, meiner Gesellschaft, Begriffe, die von meinem politischen Über-Ich heraus wie dämonische Mysterien, vor mir aufgestellt werden. Damit ist das Szenario der allumgreifenden Angst vollendet.

Doch nun muss ich mit meiner Verunsicherung und mit meiner Unwissenheit irgendwie klarkommen. Ich will versuchen, gegen sie anzukämpfen. Eben nicht, indem ich mich mit Schusswaffen ausrüste, sondern indem ich meine Perspektiven ändere.

Ich will einen Beitrag leisten. Einen Beitrag gegen den Terrorismus von innen und von außen! Ich will Aufrufen zum Widerstand gegen die Ängste! Aufrufen zum mutigen Einstehen für unsere demokratischen Grundwerte! Ich will meine Weltsichten überprüfen und neue Ausdrucksformen entwickeln, ganz nach meinem britischen Vorbild Banksy.

Ich wähle die Kunst: die Kunst der Sprache, die bildende und die des Zuhörens!

Links

Zur Gestaltung der Politischen Zukunft Deutschlands in Europa:

http://www.europa-union.de/

dort insbesondere: http://www.europa-union.de/eud/news/vereinigte-staaten-von-europa-nur-mit-einem-europaeischen-deutschland-von/ … leider ist der Link nicht mehr im Bestand des Zielortes, festgestellt am 25.04.2021

2. Wege zur Politischen Kunst nicht von Künstlern deutscher Herkunft:

http://www.art-magazin.de/kunst

dort insbesondere:

http://www.art-magazin.de/kunst/15995-rtkl-debatte-politische-kunst-die-schlacht-der-bilder

3. Künstler:

http://banksy.co.uk/

http://aiweiwei.com/

4. Ein Beispiel, wie schlimm es wirklich ist:

http://www.stadtzeitung.de/augsburg-city/politik/eisberg-voraus-analyse-der-bundestagswahl-2017-d32387.html

0 comments on “Die weiße RoseAdd yours →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.