Die Demokratie ist am Ende (Teil 3)

Warum Demokratie ein Auslaufmodell ist und wir es nicht wahrhaben wollen

Ich schreibe nun diesen Text im Wesentlichen für mich selbst.
Klarheit zu schaffen, mich frei zu machen für eine Zukunft, das ist mein Ziel.

Ich bin 60.

Ich habe mir vorgenommen 100 Jahre alt zu werden.
Ja, so sagt man es richtig.
Ich habe also noch eine Menge Zukunft vor mir.
Mir ist es ziemlich gleichgültig, ob sie das Stück lesen.
Sie können es auch einfach sein lassen.
Doch wenn sie es lesen, dann öffnen sie sich.
Machen sie sich neu.

„Zurück in die Zukunft?“ Oder: „Vorwärts in die Vergangenheit?“
Die Einen marschieren in die eine Richtung und die Anderen in die andere. Und Einige bleiben einsam und verlassen stehen und wissen nicht so recht was sie tun sollen. Von Allen haben nur Wenige konkrete Ziele vor Augen oder aber die Wenigen wagen es nicht, diese Ziele zu äußern.
Die Mächte ordnen sich neu.
Demokratie.
Einigkeit und Recht und Freiheit.
Und nun? Spaltung.

Ich erinnere mich genau an diese spannenden Ereignisse, die sich vor genau 20 Jahren zutrugen. Der Hörsaal war voll. Vor geschätzten 400 Studierenden, die gespannt meinen Ausführungen lauschten, hatte ich provokante Thesen geäußert und währenddessen festgestellt, dass einige der Studentinnen damit begannen, lautstark gegen ihre eigene Interpretation, was ihnen so noch gar nicht bewusst sein konnte, zu protestieren.
„Die sexuelle Orientiertheit, dominiert das gesamte Sozialwesen beider Geschlechter,“ während ich weiter ausführte, wozu ich beauftragt war, bewegte ich mich in ruhigen Schritten über die Bühne und mein Blick schweifte durch die Reihen und hielt Kontakt mit der gespannten Aufmerksamkeit der herunterschauenden Gesichter, „und sie hat einst ihren Anfang genommen in der unvermittelten und spontanen Zuwendung des Weibchens hin zum Antlitz des sie gerade a tergo begattenden Männchens. Das bedeutet in der habituellen Hündchenstellung. Diese sexuelle Orientiertheit markiert womöglich auch den Übergang des Primitiven zum Primaten, schlussendlich zum selbstreflektierten Homo sapiens. Gerade durch diese Umkehr des Weibchens entfremdet sich der noch Bewusstseinslose vom reinen Triebhaften. Mit diesem Zurückblicken, einem Anblicken von Antlitz zu Antlitz, begibt sich der Primat in den Anfang von Sozietät. Die beiden wissen nicht was geschieht. Es benötigt noch viele Jahrtausende Menschheitsgeschichte, ehe Männchen und Weibchen verstehen, dass der Koitus beispielsweise die Voraussetzung für Nachkommen ist. Verstehen sie dieses Bild? Es ist nur ein Bild.“
Die letzten Sätze wurden von der nunmehr den ganzen Saal einnehmenden Empörung übertönt, die zwischenzeitlich infektiös die Allgemeinheit ergriffen hatte. Es kostete mich einige Mühe, die entbrannten Streitgespräche zu moderieren.

Die Verschwiegenheit des Daseins

Zunächst eine Anmerkung zur Sache: Sloterdijk datiert den Zeitpunkt des Geschehens in seinem Bild, das ich im ersten Teil meines Essays erkläre, auf 70.000 Jahre v. Chr. Das deckt sich in etwa mit dem entwicklungsgeschichtlichen Zeitpunkt, auf den sich auch meine Hypothese bezieht.
Ich erinnere: Bei Peter Sloterdijk findet der Primat durch das Heraustreten in die Savanne seinen Horizont. Gelassenheit und Verwöhnung werden durch den weiten Ausblick nach Beute oder Feind ermöglicht. Mit dem aufrechten Gang sieht der Sapiens in eine vor ihm liegende Zukunft. Die evolutionäre Notwendigkeit dieser Gangart – das Haupt hoch erhobenen – wird mit diesem weitsichtigen Argument plausibel. Angst bekommt einen Bezugspunkt: „Das Novum tritt auf in Form einer Unterbrechung der Horizont-Linie. Das Ereignis, mit dem die Zeit gesetzt wird, ist im Raum eingetragen als Störung am Horizont.“
Angst vor dem Unbekannten wird als solche erkannt und beherrschbar. Das Bild Sloterdijks beschreibt die Entstehung eines Bewusstseins, das ein Kalkül mit der Angst ermöglicht. Es führt in ein Verhältnis zwischen einem Novum und dem, der es als solches erblickt. Beide bedingen einander. Eine dritte Variante tritt nun ins gewohnte Spiel „Fressen oder gefressen werden“, namentlich die kontrollierte, bewaffnete Begegnung mit Nahrungskonkurrenten, anderen Sippen der gleichen Art, der schließlich die Sesshaftigkeit folgt.

Hier nun, in diesem als desaströs angekündigten dritten und vorerst letzten Teil meines Essays, eröffne ich mit dem eingangs erzählten Bild einstiger Zuwendung –  nichts anderes also, als dem Beginn von Sozietät, die heute vor ihrem Ende steht und wiederum etwas Neuem einen Anfang bereitet. Zum einen könnte es das Ende der Entfremdungsgeschichte des Homo sapiens schlechthin bedeuten und zum anderen verweist es auf einen Anfang seines Nachfolgemodells: dem Homo digitalis.

Die zwischenmenschliche Zuwendung entfaltet in diesem sich gerade vollziehenden Wandel allerdings nicht die Sexualität, die im Wesentlichen die zwischenmenschlichen Verhaltensweisen in der bisherigen Menschheitsgeschichte dominiert hat, sondern Zuwendung meint jetzt den Blick Auge in Auge mit dem Avatar der digitalen Realität. Will sagen, das Individuum nimmt Kontakt zu seinem technischen Pendent auf, geht als unsterblicher Datenhaufen in es über und wird in der der Virtualität gegenüberliegenden Wirklichkeit, also im Hier und Jetzt bedeutungslos. Mein Augenmerk liegt weder auf jener religiösen, Angst einflößenden, apokalyptischen Vorstellung, die angesichts derzeitiger Prophezeiungen und Beschwörungen wieder an Popularität hinzugewinnt, noch auf der Angst selbst. Hingegen sehe ich die Menschheit – so zerrissen in arm und reich, in zivilisiert und unzivilisiert sie auch immer noch sein mag – in einem fließenden Übergang, dessen gewaltiger Fall in die bevorstehende Zukunft hinein eine Ahnungslosigkeit andeutet, wie wir sie in vergleichbarem Ausmaß qua meiner Hypothese vom Beginn der Sozietät vor 70.000 Jahren rückerahnen.

Ich versuche mich noch einmal an jene Ergriffenheit dieser ersten, wahren, reflektierten Begegnung zu erinnern. Wie befremdlich musste sie gewesen sein? Als blicke man in sich selbst und erkenne den Anderen. Staunend, dumm, neugierig, spielend und doch sich erfahrend und von sich und dem Gegenüber wissend.

Ähnlich geartete Ahnungslosigkeit stelle ich auch bei meiner Beobachtung der sich gegenwärtig vollziehenden technosozialgesellschaftlichen Revolution fest. Technosozialgesellschaftliche Revolution! Da erstaune ich hin und wieder an mir selbst. Mit welcher Leichtigkeit ich zum Beispiel persönliche Texte, Bilder, kleine Video- oder Audioclips per WhatsApp an Menschen sende, die mir nahestehen und welcher besonderen Art das Vergnügen ist, das ich mit diesen Menschen darin teile. Das trifft mich deshalb so befremdlich, weil ich vor nicht allzu ferner Vergangenheit entschiedener Gegner von im Vergleich lapidar erscheinenden Volkszählungen gewesen war. Es ist die Argwohn meines Blickes, der auf den stets frisch gemähten Rasen des Nachbarn fällt, wo gerade ein Roboter seine Arbeit tut, der mir meinen Neid verrät und eine abschätzige Reaktion meiner selbst entfesselt, die mich womöglich in nicht allzu ferner Zukunft ein solches Ding kaufen lässt. Oder wäre mir die nostalgische Anwandlung bedeutsamer, die eine Blumenwiese entfachte, die einfach so, in ihrer gewachsenen Blütenpracht dastünde und die ich zwei Mal im Jahr mit der Sense zu mähen hätte?

Ich erinnere mich an die 1980er, wo die Industrie 4.0 noch nichts von Industrie 4.0 ahnte, aber wir Menschen bereits mitten in ihr waren, es nur noch nicht wussten. Das umständliche Wechseln des Farbbandes meiner alten Schreibmaschine, das ohne handwerkliches Geschick kaum möglich war oder die fickrige Verwendung von Tipp-Ex-Streifen, um Schreibfehler auf dem eingespannten Papierbogen zu korrigieren, wurde in einer einzigen Stunde in die Erinnerung verbannt: die Inbetriebnahme meines ersten Home-Computers.

Heute, mehr als drei Jahrzehnte sind zwischenzeitlich vergangen, liebe ich mein iPhone, mein iPad und mein MacBook! Und ich liebe die Clouds, in denen all meine Texte gesichert sind und auf die ich mit jedem dieser Geräte, jeder Zeit und von jedem Ort aus zugreifen kann. Doch in dieser Begeisterung schlummert auch etwas Bedrohliches, das gleichermaßen von diesem „Spiel“ mit der Technik auszugehen scheint, von dem ich zunächst nur eine leise Ahnung habe.

Recherchieren wir einmal unter dem Schlagwort „Neolithische Revolution“ die Anfänge von Technik, so stoßen wir unvermeidlich auf eine Menge Informationen, in denen es um den Übergang von erzwungener Anpassung an die Umwelt zu einem durch folgenreiche Erfindungen dynamisierten Prozess mit rasant steigender Produktivität geht. Die Anfänge dieser Entwicklung, mit dem Sammeln von Wildgetreidearten, die nur in dieser Region vorkamen, fanden in der Levante statt, beginnend vor etwa 20.000 Jahren. Mit der als Neolithikum bezeichneten Epoche beginnt Homo sapiens also, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben und muss sich zwangsläufig weiter spezialisieren. Das bedeutet, dass arbeitsteilig produziert werden muss, dem Tauschhandel eine zentrale, gesellschaftliche Bedeutung zufällt und mithin ein weiterer Prozess seinen Lauf nimmt, der erst vor ein paar Jahren als solcher erkannt wurde und als „Entfremdungsprozess“ einen Namen erhielt.
Der Tribut, den die Errungenschaften alles Technischen in der fortlaufenden Überlebensgeschichte der Menschheit fordern, ist die fortschreitende Entfremdung des Menschen durch fortschreitende Arbeitsteilung.
Alles Soziale, das sich in der Bewusstseinsgeschichte auswächst – zuletzt hoch komplexe Ordnungssysteme, denen sich der Mensch selbst unterwirft – gipfelt nun in einer apokalyptisch anmutenden letzten Zuordnungsmöglichkeit: Der Mensch entfremdet sich von sich selbst! Und zwar derart, dass er in sein inzwischen sozialisiertes Pendent übergeht, und sich in ihm als digitaler Avatar ein ewiges Dasein im digitalen Kosmos sichert.
Die Rede ist nicht von der jüngsten, tayloristischen Zerlegung der Arbeit in kürzeste und monoton-repetitive Ablaufabschnitte und deren Fortführung in die Robotik. Die hier gemeinte Agonie ist noch eine unbewusste Seins-Selbstverständlichkeit, in die der Sapiens geworfen wird (Martin Heidegger), und die in ihrem Anfang noch weit vor Platons Verständnis zurückgreift. Denn schon Platon beschreibt in seiner Politeia den Menschen mit seinen unterschiedlichen produktiven Fähigkeiten und Bedürfnissen und leitet daraus ab, dass sich dieser am besten in seiner Arbeit spezialisieren und die Arbeitsprodukte untereinander austauschen solle. Damit beobachtete er allerdings weit mehr als die Menschen seiner Zeit. Er erörtert schon damals eigentlich einen Entfremdungsprozess, der ihm als solcher noch nicht bewusst sein konnte, der aber in die Vergesellschaftung und mit ihr einhergehend in die praktische Rollen- und Aufgabenverteilung der einzelnen Menschen führt. Dies geschieht gemütlich, anscheinend völlig natürlich und gemäß den Neigungen, Fähigkeiten und Talenten der Individuen von Generation zu Generation. Mit diesen Analysen geht Platon auf einen Anfang zurück, ohne ihn zu benennen: Homo sapiens tritt hinaus in die Savanne wo er sich als neugieriges Dösewesen, seinen Neigungen und Fähigkeiten gemäße Verwöhnung leistet. Mit einem Zurückblicken, einem Anblicken Auge in Auge, begibt sich der Primat in den Anfang von Sozietät.

Und genau auf dieselbe Weise, nämlich weder ein Bewusstsein über das aktuelle Geschehen zu besitzen, noch dessen Bedeutung und Wirkzusammenhänge zu verstehen, die dieses Geschehen für die nächsten 70.000 Jahre haben wird, begibt sich nun das gemäß seinen Neigungen und Fähigkeiten verwöhnte Dösewesen, das wir immer noch sind, in den Anfang von „Digitalität“. Es übergibt sich selbst seiner eigenen Schöpfung, nämlich dem virtuellen Raum und bildet sich hierbei ein, in die Ewigkeit einzugehen. Staunend, dumm, neugierig, spielend.

Sie fragen sich an dieser Stelle womöglich, wie ich mir die Kurve vorstelle, die wir nehmen müssen, um zum Thema zu kommen. Die Kurve hat einen unfassbar großen Radius und wir sind bereits mitten in ihr. Wir bemerken es nur nicht. Allerdings, da bin ich mir sicher, haben sie bereits eine Ahnung!

Es hilft ein Bild

Eine Zirkelnadel steckt in einem Zentrum. Das Zentrum ist ein Paradoxon, eine Art Büchse der Pandora. Darin sind zweierlei Prädispositionen angelegt. Sie scheinen einerseits unvereinbar und andrerseits untrennbar, ineinander verwoben zu sein. Anders ausgedrückt: man kann sie nur getrennt feststellen, muss sie aber immer in enger Verbindung verstehen.
1. Die frühgeschichtlichen, in unser aller Erbgut eingeschriebenen „instinktiven“ Impulse, über deren Funktionen wir uns immer erst im Nachhinein bewusst werden, sowie die aus ihnen resultierenden emotionalen Verhaltensweisen.
2. Die Kluft zwischen moralischem Wissen und moralischem Handeln, also jener kognitiven Dissonanz (Vergl.: Zygmunt Baumann – bezieht sich an dieser Stelle auf Kant -, Die Angst vor den Anderen, Suhrkamp 2016, Seite 97 ff.), die wir unseren Nachkommen vermittels Erziehung und Bildung weitergeben. In diese kognitive Dissonanz werden alle Nachkommen durch den durch und durch geregelten Überlebenskampf ihres kleinen Familienbetriebs gezwungen.

Beide Prädispositionen sind nicht getrennt voneinander untersuchbar. Wir tun das zwar unablässig, ziehen erklärende, dem Einzelnen und der Gemeinschaft dienende Schlüsse und folgern Vernunft, Gesetze und Kodizes aus diesen verschränkten Einzelfalluntersuchungen, die allesamt unvollständiges Stückwerk sind. Deshalb sind beauftragte Sondermenschen ständig damit beschäftigt, nachzubessern. Und so folgt eine Regeländerung nach der anderen. Dennoch: unterließen wir diese paradoxen Untersuchungen, wäre die Folge, dass jedes gesellschaftliche Modell, sei es ein Landratsamt, ein Opernhaus oder eine Schule, ja selbst der kleinste Familienverband, wie ein Kartenhaus, das ein bisschen angeblasen wird, in sich zusammenfallen würde. Schlussfolgerten wir in dieser Richtung noch ein wenig weiter, hielten wir die dialektische Kehrseite zu dieser fiktiven und instabilen Situation für plausibel, nämlich, dass es ebendiese Regeln sind, die einer Organisation, einer Gruppe von Menschen oder einem Individuum erst den gesellschaftlichen Zusammenhalt geben und uns allen – ganz emotionslos – ein gewisses Gefühl vermitteln, in eine stabile, sichere Gemeinschaft eingebettet zu sein.

Beide Prädispositionen, die uns dieses Zentrum vorgibt, sind also nicht getrennt voneinander untersuchbar, weil wir zum einen das „Instinkthafte“ an sich in den entscheidenden Situationen des Lebens nicht kontrollieren können und wir es in jedem Augenblick unseres Wachseins situativ und affektiv leben. Dementgegen tun wir aber ständig so, als ob wir genau diese „versteckte Intelligenz“ beherrschen und kontrollieren könnten. Wir verbiegen uns dabei ganz gehörig.

Zum anderen hebt sich die kognitive Dissonanz sozusagen in der Verschwiegenheit des Daseins eben nicht als eine in den jeweiligen Kontext eingebettete Individualtheorie ab, die ihrerseits aus den Wünschen, Wertvorstellungen, Einstellungen oder Absichten eines Individuums entwickelt wurde. Sondern sie begründet sich im Instinkt und geht als Bewusstseinsleistung aus diesem hervor. Eine akut auftretende Dissonanz wird in ihrer Auswirkung als ein unangenehm empfundener Gefühlszustand erlebt, dessen Schwere vom Kontext abhängt. Dieser zweite Wesenszug verknüpft die beiden Phänomene spürbar miteinander: sie sind nicht nur nicht getrennt voneinander untersuchbar, sie sind auch noch aufs Engste voneinander abhängig.

Aus dem Zusammenspiel von Instinkt und kognitiver Dissonanz entstehen Verhaltens- und Kommunikationskonflikte, ja, womöglich geht das gesamte Chaos, das die Menschheit bisher auf dieser Erde anrichtete, aus dieser komplexen Verschränkung hervor. Bei einer opportunistischen, landläufig gearteten Betrachtungsweise könnte man zu einer logisch scheinenden Folgerung gelangen, nämlich, dass aus einer gegenseitigen Stimulanz von Instinkt und kognitiver Dissonanz jüngst eine Verhaltens- oder Kommunikationsrhetorik entstand, die man mit geläufigen Begriffspaaren wie „emotional / emotionslos“ oder „kontrolliert / unkontrolliert“, bzw. Ordnung / Chaos“ oder „Sicherheit / Unsicherheit“ usw. erklären könnte. Es ist nicht weit hergeholt und entbehrt m.E. nicht einer gewissen Komik, wenn Berater und Trainer neue Methoden des Konfliktmanagements anpreisen, „schwierige Entscheidungen“ thematisieren und unlösbare Szenarien vor ihren Klienten aufbauen, um dann erlösend auf die sehr wichtigen und alles entscheidenden Faktoren hinzuweisen: das Bauchgefühl und die Erbse zwischen den Pobacken.
Dieses Bauchgefühl, nichts anderes also als die emotionale Intelligenz, soll die Entscheidungen, die Führungskräfte zu treffen haben, schließlich für sie richtiger und sicherer machen und es soll ihnen ermöglichen, mit ihrer ganzen Persönlichkeit selbstsicherer hinter ihren Entscheidungen zu stehen. Gefälligst mit einer dem entsprechend Vitalität vermittelnden Haltung (die Erbse). Doch das sind lediglich die psychologischen Aspekte in unserer Büchse der Pandora.

Zivilisierte Menschen treffen unentwegt Entscheidungen, die von moralischem Wissen in moralisches Handeln führen sollten, die in ihrem Vollzug von einem wesentlichen Quantum einer anerzogenen formalen Logik mitentschieden werden. Diese formale Logik folgt der Ordnung, den Gesetzen und Grundwerten unserer demokratischen, liberalen, freiheitlichen Systeme. Auch sie ist – wie die Arbeitsteilung, der mit ihr einhergehende Tauschhandel sowie die ungeschriebenen Gesetze der Sitten und Bräuche – historisch mitgewachsen.
Und nun scheint sich der Mensch auch von dieser formalen Logik mehr und mehr zu entfremden. Anstelle des Faktischen erscheinen Kreationen des Postfaktischen. Anstelle des Sachverstandes tritt die Show oder der Unterhaltungswert der auftretenden Persönlichkeit.
An jenem wiederentdeckten Bauchgefühl laborieren derzeit sowohl die Geisteswissenschaften als auch eine ganz neue Generation Soft- und Hardwarearchitekten im Silicon Valley und auf der ganzen Welt herum. Die zahllosen Startups suchen technische Wege, sich eben diese instinktgesteuerten Verhaltensweisen zu Nutze zu machen. Beispielsweise: „Wohin schaut das Auge des Users bevorzugt? Wie schaut es? Wie groß ist die Verweildauer? Usw.“

Gleichzeitig verhandeln Soziologen und Psychologen in einer öffentlichen Debatte den Inhalt der Büchse der Pandora auf dessen moralischen Gehalt hin. Sie folgen ihrerseits einer sozialen Logik und hantieren mit Begriffen wie „Verrohung“ (beispielsweise der Sitten und der Sprache) oder „Vertrauen“ (beispielsweise als Wertschöpfungsfaktor, einen Verlust bzw. einen Gewinn) oder „Postfaktische Wirklichkeit“ (beispielsweise als Schein und nicht als Sein). Erklärungsversuche also, die womöglich irgendeine Logik suchen aber keine finden und die zunehmend von gefühlter, eben nicht rationaler Natur sind.

Um dieses Zentrum herum beschreibt nun die Bahn des Zirkels nicht etwa einen einfachen Kreis. Vielmehr lassen sich bei distanzierter Betrachtung irritierende Biegungen ausmachen. Eine unregelmäßige Spirale wächst aus sich selbst heraus. Die Radien ihrer offenen Bahnen vergrößern sich mit jedem weiteren Argument und mit jedem fortführenden Aspekt und ihre filigranen Linien (die Argumente) werden so zu gekrümmten Kurven (zu Themen), die gewölbte Flächen umschließen (die Sachlagen) und die sich mit jeder Umrundung weiter vom Zentrum entfernen. Die offene Bahn entfernt sich mit jeder neuen Biegung auch vom Auge des Betrachters. Die Flächen, die sie einschließt, erscheinen in ihren Krümmungen umso komplexer und verklären unseren Verstand. Die involvierten Personen haben in all derartigen Sachlagen nichts mehr zu verantworten.

Wir wollen die Logik des Niedergangs der bislang wohl bedeutendsten zivilisatorischen Errungenschaft, namentlich der Demokratie, verstehen und einsehen können. Dazu ist neben den bis hierher vorgeführten Sloterdijkschen und Baumannschen Thesen, die zwar auf historische und prähistorische, aber uns noch immer dominierende Settings hinweisen, noch eine weitere grundlegende Funktion zu benennen. Doch diese Funktion vermag sich nur zögerlich und träge, wenn überhaupt, der ungebremsten Digitalen Revolution anzuschließen:

Bildung – eine Methode des Lernens.

Sie ist so alt wie der Mensch: Bildung.
Einst hantierte der Mensch etliche Jahre und vermutlich tat er dies spielerisch aus lauter Langeweile, ohne also ein konkretes Ziel vor Augen zu haben, bis es ihm schließlich gelang, aus einem geeigneten Stein einen ersten perfekten Faustkeil zu hauen. Ein Erfahrungsprozess, dessen Nachhaltigkeit seinesgleichen sucht.
Vermutlich war es erneut die Langeweile, aus der heraus er einen weiteren Vorteil kombinierte und womöglich handelte es sich dabei bereits um einen ersten, errungenen Nahrungs-, bzw. Wettbewerbsvorteil. Dieser, aus jener praktischen Entdeckung und dem an sie geknüpften ungeheuren Erfolg gefolgerte, neue Vorteil bestand nun seinerseits darin, dass der Mensch sich über die Fortschritte bewusst wurde und damit begann, seinen Nachfahren und Artgenossen dieses Wissen weiterzugeben, um ihnen langwierige und umständliche eigene Erfahrungsprozesse zu ersparen. Einer vermutlich ebenso praktischen Logik folgend erkannte er die Zweckmäßigkeit, eine Methode zu entwickeln, die zum bestmöglichen Ergebnis führte, eine Technik.
Anfangs freilich noch bare Erfahrung und im Weiteren Erinnerung entwickelt sie sich nun rasch zu einer Hybris, die mit dem Mensch-Sein selbst nicht mehr viel zu tun hat. Sie formt den Menschen, ja zwingt ihn in die von ihm selbst entwickelten Strukturen hinein, in denen er – seiner Natur (was immer sie sein mag) zu wieder – für sich selbst Befriedigung und Besänftigung finden will. Hierzu wählt er aus. Er lernt zu differenzieren, abzuwägen und auszuwählen. Er wählt in jeweiliger Konstellation seines Daseins zur unmittelbaren Umgebung eine einzige Möglichkeit aus einem Pool von Möglichkeiten heraus, die ihm allesamt vorgelegt, vorgelebt, bzw. vorgegeben sind. Sowohl in seinem Denken, als auch in seinem Handeln unterjocht sich der Entdecker des Paradieses hier auf Erden einem einzigen Zweck: Den Wettbewerb unter den Konkurrenten zu gewinnen und ihn auszubauen. Größer, schneller, besser, mehr. Wachstum.

Ich zum Beispiel schreibe, damit sich der Mensch verbessert, damit er die Welt rette, die er selbst dem Untergang geweiht hat. Ich schreibe auch, damit ich mich mit Freude erleichtere und daran wachse, damit ich eine alte Wut, die mich schon als Jugendlicher ergriffen hat und die noch immer in mir wütet, besänftige und damit ich den Einen oder Anderen helfe, sich ihrerseits zu besänftigen. Dabei werde ich mir mehr und mehr der Kräfte bewusst, die mein ursprüngliches Wesen eng begrenzen. Erdrückende (soziale, formale und praktische) Logik ist es, unter die ich mich und mein Schaffen stellen muss, so ich denn gehört und verstanden werden will. Nicht die Moralen des Establishments sind dies, sondern die oben differenzierten Logiken einer praktischen Vernunft.

Vorstehendes ist freilich und zunächst eine schmale und negative Interpretation des zerstörerischen Treibens.
„Ist nicht auch Schönes, Geistvolles, Religiöses hervorgebracht,“ mag mein Gegenüber kritisch anmerken.
„Kreationen, die nicht praktischer, sozialer oder formaler Logik gehorchen? Denken wir an die Künste, die Musen, die Phantasien, die Götter?“

Nun, auf derlei mögliche Einwände möchte ich kurz eingehen, ohne allzu eng mit irgendeiner philosophischen Denkweise, z.B. des Konstruktivismus, zu kokettieren und ohne mich auf die praktischen Schulen etwa eines Rudolf Steiners oder eines Konfuzius berufen zu wollen:

Der Lehrbeweis liegt sowohl in der Geschichte des Lehrens und des Lernens, als auch im Lehrinhalt selbst. Er liegt nicht in der Begabung und nicht im Talent.

Eine talentierte Pianistin muss sich spezieller Techniken bedienen, oder eigene Techniken entwickeln, sie eifrig und ausdauernd erlernen, um zielstrebig schließlich auf einem Instrument ein repetierbares Ergebnis oder eine improvisierte Jam-Session wiedergeben zu können. Genauso wie ein Architekt dies tun muss.

Ebenso verfügt eine begabte Malerin neben Farben und Pinsel über Techniken, die sie erlernt oder selbst entwickelt haben muss, um anschauliche Bilder erschaffen zu können. Genauso wie ein Maurer.

Auch eine begnadete Denkerin muss eine Sprache beherrschen, die sie dennoch in einen technisch eingegrenzten Horizont des Ausdrückbaren, des Beschreibbaren zurückwirft. Genauso wie ein Lehrer.

Alles Lernen und Lehren, unabhängig vom Alter eines Menschen, gehorchte bisher einem einzigen Muster:
Vorbild (Paradigma) > Impression > Kreation/Kombination > Expression/Reproduktion > Vorbild (Paradigma)

Gemeint ist:

„Als Lernende entsprechen wir oder widersetzen wir uns unseren Vorbildern. Wir gehorchen einer inneren Logik. Doch ohne Vorbilder ist ein Lernen sowie ein Nicht-Lernen nicht möglich. Mit Vorbildern sind hier nicht nur Menschen gemeint, die uns in ihrem Verhalten, ihrem Können oder ihrem Vermögen ein Vorbild sein mögen, sondern es schließt sämtliches Existenziales und sämtliches Phantastisches ein, was uns je vor die Sinne kommen könnte. Das Ergebnis einer Lehre ist also immer eine Ableitung von Vorbildern, von Wirklichkeit. Ein Lehrling entwickelt sich nirgendwohin. Er beobachtet, er verschafft sich Wissen, er erlernt Praktiken, er zerstört und er erbaut. Er strukturiert sich selbst, indem er unter anderem seine Willensfreiheit entdeckt und damit beginnt, Entscheidungen zu treffen. Er entscheidet sein Selbstsein lediglich an Vorbildern, lebt fortan sein Leben zwischen Epigone und Phantast, zwischen Perfektionist und Dilettant, zwischen Gehorsam und Widerstand, zwischen den Noten Sehr gut und Ungenügend. Er entscheidet sich für ein Leben in global etablierten, vollkommen durchstrukturierten (Bewertungs-) Systemen, zwischen richtig und falsch, zwischen wahr und unwahr, zwischen teuer und billig, zwischen bequem und unbequem.“ (Randnotiz, in einem Vorlesungsskript zum Thema „Indikation: Schizophrenie“ während meines Studiums der Sozialpädagogik, München 1997)

So verstanden, muss also alles, das je von Menschen erdacht und erschaffen wurde, in irgendeiner verdeckten Vorlage bereits vorhanden gewesen sein. Es war alles schon da, in nicht kombinierter Naturform sozusagen. Dieses Da-Seiende wird durch den Menschen konkreativ hervorgebracht (wahrgenommen, entdeckt, entwickelt) und willentlich einem Geisthaften, womöglich zu einer neuen Substanz, einer Idee oder einem Zweck geführt oder kombiniert. Heinrich Rombach prägt in seiner Strukturontologie den Begriff Konkreativität und will mit ihm ausdrücken, dass eine Lebensleistung weder durch das Subjekt, den Menschen oder das Dasein erbracht wird, sondern in Orientierung an der vorgefundenen Wirklichkeit geschieht. Zur Weiterführung in diesen Aspekt stünde uns nun ein komplizierter Weg in die Ontologie zur Wahl, der die vorliegende Absicht, nämlich das unmittelbar bevorstehende Ende der Demokratie zu beweisen, in eine abschweifende, wenn auch sehr spannende Komplexität führen würde. Interessierten Leserinnen und Lesern lege ich ans Herz, so sie ihr Wissen vertiefen möchten, die weiterführenden Texte Heinrich Rombachs zu studieren.

Führt man sich die Instinktive Verhaltensweise und die Kognitive Dissonanz in ihrem evolutionsgeschichtlichen Zusammenhang vor Augen, wird einem schnell klar, weshalb wir uns heutzutage von dieser derart deprimierenden Ohnmacht emanzipieren müssen. Hier – man möge mir diesen stilistischen Ausrutscher nachsehen – ein kurzes verbales Plakat, das wir schon in den 70ern, zu Zeiten der Ölkrisen und der bundesweiten Fahrverbote, an irgendeiner besetzten Hauswand hätten lesen können: Wir sind es selbst, die die Umwelt verschmutzen. Wir wandeln das Klima. Wir Roden die Urwälder. Wir reißen die Erdkruste auf. Wir verwandeln Aluminiumoxide in Flugzeuge, Eisen in Dampfschiffe, Kohle in Wärmeenergie. Wir lassen Werte verfallen? Wir sind es selbst, die jene in langwierigen und mühseligen Prozessen errungenen Werte zerstören.

Wir beobachten sogleich unser eigenes Zerstörungswerk und behaupten, dass unsere Werte verfallen würden, dabei stimmt das gar nicht. Werte verfallen nur in Geschichtsbüchern, in einer retrospektiven Wesensschau wie von selbst. Wir Menschen sind es, die aufbauen und zerstören: ein babylonisches Aufbauen und Zerstören, das in einem heroischen Wachstumswahn begründet ist. Wir entwurzeln uns selbst. Heutzutage sind Entfremdung, Verantwortungslosigkeit, Vertrauensverlust, Sittenverfall und Demoralisierung die großen Themen unserer Sozialpsychologie.

Unsere Vorbilder sind urplötzlich verschwunden.

Warum Pädagoginnen und Pädagogen noch in keiner Weise irgendeinen adäquaten Rahmen bilden konnten, in dem den Kindern das beizubringen gewesen wäre, was ihnen zu Selbstverwirklichung und freier Entfaltung ihrer wahren Potentiale gedient hätte, liegt auf der Hand. Wie einst der strukturelle Rahmen, in dem eine Technik vermittelt wurde, mithilfe derer man den Stein auf eine Weise zu hauen erlernte, sodass man mit ihm den Tieren leicht das Fell abziehen konnte, mit Sicherheit ein bereits von der lebendigen Natur des Tieres losgelöster Rahmen gewesen war, denn es musste ja bereits tot dagelegen haben, so sind auch heute die Techniken allesamt vom Erwartungshorizont des Menschen entfernt und eben nur im Nachhinein, in einer strukturierten Bedingungswelt vermittelbar. Selbst im Erlebnis-Kunst-Labor der Chemie oder der Physik, wird am Kinde scholastisch herumpädagogisiert und das wahre Erleben wird dem Kinde versagt. Das Beobachten und Kombinieren überlässt man als die einzige Leistung beim Kinde selbst, in dem es das Künstliche am Erleben zwar zu erspüren, aber „nur“ als entfremdetes, indefinites Wesen in ihm aufzugehen vermag. Wir Psychosozialwissenschaftler helfen uns in aktuellen Diskursen mit Erklärungen der phänomenalen, bereits ausführlich erläuterten Abfolgen:

– Identitätslosigkeit aus Mangel an Identifikationshorizonten
– Orientierungslosigkeit aus Mangel an Identifikationshorizonten
– Innovationslosigkeit aus Mangel an Identifikationshorizonten und Motivation
– entfremdetes Individuum aus dem Einzelwesen
> Isolation entsteht durch den Entzug der Unmittelbarkeit einer Partizipation

Wenn wir uns nun noch vor Augen führten, dass wir das, was unsere Kinder wirklich in ihrer Zukunft benötigten, längst nicht mehr wissen, wird das nahende Ende des gesellschaftlichen (demokratischen) Eingebettet-Seins offenbar. Dieses vermeintlich notwendige Wissen, von dem hier die Rede ist, können wir nur erahnen, es entzieht sich jeder Erfahrung, es ist historisch nicht auffindbar (man kann es auch nicht Googeln), denn es liegt in der Zukunft. Darauf hätten wir schon vor ziemlich genau 20 Jahren kommen können, wo noch ein wenig Zeit vor uns lag, die wir zu einer gesellschaftlichen und politischen Anpassung hätten verwenden können. Damals lag die Zukunft noch vor uns und manche haben sie zu schauen vermocht.

Doch die meisten Menschen waren gefangen und gehemmt in ihren eigenen Strukturen. Und sie sind an sich (von Natur aus) viel zu träge; Sie wunderten sich mit glänzenden Augen über die neue Errungenschaft: das World Wide Web.

Betrachten wir die dramatischen Veränderungen ihrer Vorbilder – gemeint sind hier nicht nur erwachsene Menschen in ihrer leibhaftigen Größe, in ihrem besonderen Tun oder alles Existierende, das sich in einer Unmittelbarkeit zu den heranwachsenden Menschen befindet, sondern auch die in sowohl soziokultureller als auch subkultureller Hinsicht oft spielerischer Weise digital vermittelten Bilder. Sie tauchen z.B. im blitzschnellen Zugriff auf Wissensdatenbanken, aber mehr noch in den Netzwerken der digitalisierten Sozietät oder im Spiel globaler Spiele auf. Wenn wir derart Vorbilder also betrachten, deren Echtheit und deren Erfahrbarkeit in digitalen Algorithmen schlicht nicht vorkommt, also nur eingebildet werden – und den durch die Digitalisierung beschleunigten Werteverfall, dann müssen wir zu spät feststellen, dass herkömmliche Lehrmethoden und klassische Allgemeinbildung längst in die Vergangenheit verbannt wurden. Allgemeinbildung meinte noch vor der Digitalen Revolution diejenigen Lehrinhalte, die von der Allgemeinheit für die Allgemeinheit im Sinne eines zur normalen Existenz in unserer Gesellschaft notwendigen Grundwissens definiert und von den Oberschulämtern in Lehraufträgen formuliert wurden. In diese Stelle meines Gedankenganges drängen tiefe Existenzialfragen, die nach der Beschreibbarkeit von Sein fragen und nach dem fundamentalontologischen Sinn und die daran anknüpfenden logischen Fragen nach der Motivationslage beziehungsweise der Zukunftsperspektive in den Daseinsformen von Individuen, wobei die Trennschärfe von typisierenden Kategorien, wie wir sie aus der Sozialforschung kennen, durch das Verschwinden der Milieus in den sozialen Netzen, längst verwässert ist (nehmen sie sich nur den Stil des amerikanischen Präsidenten als Beispiel).

Die Demokratie liegt im Sterben

Es wird rasch deutlich, warum die von uns gewählten Volksvertreterinnen und Volksvertreter es versäumt haben, den schnellen Schritt der digitalen Revolution aufzunehmen und zügig adäquate Anpassungen der vorhandenen Strukturen vorzunehmen, wenn wir die Dringlichkeit in einem Stapel Verwaltungspapiere verschwinden lassen und uns erneut jenes Dösewesen vor Augen führen, das nichts weiter zu tun beabsichtigt, als das zum Überleben Notwendige. Mithin wird auch verständlich, so die mediale Diagnose, warum die Regierungssysteme der westlichen Welt von den äußerst dynamischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozessen entkoppelt sind und die Regierenden lediglich noch mit dem Erhalt und der Verwaltung ihrer eigenen Macht beschäftigt und allenfalls noch unterhaltenden und illusionierenden Charakters sind. So wurde aus dem vorbildhaften Regieren durch Errungenschaften und Taten in den ersten 50 Jahren Nachkriegsdemokratie ein Regieren durch Unterlassungen.

Liebe Leserinnen und Leser, es wäre nun ein Leichtes, die unzähligen, in allen möglichen populären und weniger populären Formaten breitgetretenen Versagensbeispiele demokratischer Führung und Verwaltung aufzulisten, um am Ende dieser Argumentationslinie das Ende der Demokratie selbst zu postulieren. Genau dies geschieht ja derzeit, indem Demokratinnen und Demokraten die schlimme Verteidigungslage, in der sich die Demokratie befindet, in die Kameras und Mikrophone hinein verkünden und sich gegenseitig ihre Unfähigkeiten vorwerfen und allesamt dieselben Bedarfe reklamieren. Ein Skandal jagt den nächsten und dann gelingt es obendrauf noch einem TV-Spektakel, dem deutschen Volke seine primitiven Bedürfnisse um die Ohren zu hauen, indem es ihm dieses „Babylon Berlin“ in sympathischer Form von kriegsgeschädigten und überdrehten Gestalten die kriminelle deutsche Dekadenz in den 1930er Jahren aber eben auch deren Ängste und Nöte vor den Spiegel hält.

Das Sterben, sie mögen mir die Pathetik nachsehen, wurde durch die wachsende Politikverdrossenheit, das Schwinden des Vertrauens in die Politik und der damit einhergehenden sinkenden Wahlbeteiligung im Lande längstens angezeigt. Zahlreichen Studien, die dies ermittelten, bewachen und bezeugen es. Das Sterben dieser todgeweihten Demokratischen Systeme hatte sich angekündigt und wird nun insbesondere durch die verpasste Digitale Revolution beschleunigt.
Wir hatten nichts, von dem wir hätten Lernen können.

Doch es besteht noch Hoffnung

Populismus, Isolationismus, Heimatministerien, Fremdenfeindlichkeit, Wutbürger und zunehmend rechtsradikale Gewalt sind in Europa und anderswo weithin deutlich vernehmbare Warnungen vor dem Untergang der übriggebliebenen, demokratischen Werte. Doch Achtung! Die zersetzenden Kräfte kommen aus denselben Völkern, die diese demokratischen Grundwerte einst errungen haben. Urteilen wir also nicht allzu voreilig, denn mit ihren populistischen Methoden lösen sie Knoten, erzeugen neue politische Verbindungen, sorgen für Konsolidierung der Alten Mitte und mobilisieren sozialen, humanitären Widerstand. Und sie heben eben jene verloren geglaubten Werte in unser verwöhntes Dasein und in unser Gewissen zurück, indem sie sie mit Füßen treten.

All diese Unterlassungen, Verfehlungen und Vergehen, die die betroffenen Staaten der westlichen Demokratien an ihren Völkern begangen haben und die nun von zornigen Wutbürgern zurecht an den Pranger gestellt werden, lassen sich wahrhaben, eingestehen und aufarbeiten. Doch niemand scheint die Demokratie retten zu wollen. Die Regierenden sind damit überfordert. Sie haben Angst vor der Mitte der Gesellschaft, Angst um den Wohlstand der Mitte, davor, unpopuläre Entscheidungen treffen zu müssen, weitere Wählerinnen und Wähler zu verlieren und damit von ihrer verbliebenen, politischen Macht einzubüßen (am Beispiel des Niedergangs zentraler Parteien wie die FDP und die SPD zu sehen, dem nun der Niedergang der CSU in Bayern und der Union insgesamt folgt). Zeigten die Mächtigen glaubhaft guten Willen, verbliebe – trotz ehrenhafter Bemühungen zur Initiierung geeigneter Korrekturmaßnahmen – nicht mehr genügend Zeit. Beispiele „verpasster Restaurationschancen“ wären da gar viele in sämtlichen Ressorts und die Zahl der Unterlassungen steigt mit dem Vergehen eines jeden Tages.

Nun zur geringen Hoffnung:
Politische Maßnahmen, ganz allgemein gesprochen, sind allesamt reversibel. Will sagen: wir könnten aus Fehlern lernen, sie eingestehen und sehr schnell entsprechende Änderungen und Anpassungen vornehmen, so wir dies wollen.
Weil aber die allermeisten, sicherheitsverliebten Dösewesen die diskreditierenden, intriganten, denunzierenden Gefahren von weitem lauern sehen und sich ganz auf ihr Gespür verlassen, – das Franz Josef Strauß schon in den 1980ern offen bekannte und in den trefflichen Worten zusammenfasste: „Politiker geben niemals öffentlich zu, einen Fehler gemacht zu haben,“ – vermeiden sie es, ihren Kopf allzu weit aus dem Moor zu erheben, denn er könnte sonst wie der Kopf eines Huhns abgeschossen werden (vgl.: Merkel, Willkommenskultur in 2015).
Der Merkelianische Versuch 2015 war m.E. also der letzte mögliche, menschliche Versuch. Von nun an versuchen die politischen Betriebe den alten Schritt wieder aufzunehmen – politics as usual.

Genau an dieser Stelle entsteht der Bedarf einer sehr schnellen und sicheren Technik, die alle möglichen Belange für die Weiterentwicklung (Reform) der demokratischen Regeln erfüllt und ausführt.
Doch der Königsweg führt nicht in die direkte Demokratie, wie es sich eine stark wachsende Zahl von Menschen in unserem Lande erdenkt und mehr Teilhabe an den politischen Entscheidungsprozessen fordert.
Ich schließe aus den bisher aufgeführten Argumenten das genaue Gegenteil! Ich halte den Menschen angesichts des technischen Tsunami, den er selbst verursacht hat, nicht länger für geeignet, die Dinge zu überschauen und den für ihn so wichtigen Lebensraum weiterhin zu bestellen und zu erhalten.

Direkte Demokratie ist keine Option

Sie ist eher die romantische Utopie „Wir sind das Volk“ und „alle Macht geht vom Volke aus“.

Die direkte Demokratie ist keine Perspektive für moderne Zivilisationen, die global vernetzt und eng miteinander verbunden sind. Die Rede ist von Zivilisationen, die sich den globalen Herausforderungen der absehbaren Zukunft stellen, die gemeinschaftlich mit allen Ländern der Erde und ihren Völkern einen Ausgleich der wirtschaftlichen und sozialen Disparitäten vorantreiben und einen wirksamen, nachhaltigen globalen Umweltschutz anstreben wollen.

Bevor ich mir nun die Beschreibung eines möglichst effektiven Idealsystems zur Lösung all der global politischen Probleme anmaße, möchte ich kurz erläutern, warum die Direkte Demokratie ein Sumpf unlösbarer Verstrickungen mit hoher Korruptions-Anfälligkeit aller darin beteiligten Menschen bedeutet und dieses Modell somit endgültig ad absurdum führen.

Würde eine Gruppe von Experten den Versuch unternehmen, den politischen Meinungsbildungsprozess in Gänze in sein digitales Medium zu überführen, um so die Grundlage für eine direkte Volksabstimmung (zu welchen zur Wahl stehenden Inhalte auch immer) zu ermöglichen, würde sie aufgrund einer unglaublich riesenhaft erscheinenden Komplexität, die sich vor ihr auftut, scheitern.

Sämtliche Prozesse wären in eine Reihe von Applikationen einzubetten. Diese Applikationen sammelten im Vorlauf Informationen, bündelten und verfassten kontext- und entscheidungsrelevante, vor allem aber fachkompetente Argumente, allesamt meinungsbildende, also aufklärende und beschreibende Projektdaten im Originaltext und übermittelten diese an die Wählerinnen und Wähler. Die Vorschläge, Eingaben, Anträge usw. würden nun – unter Einbeziehung der kontextrelevanten Argumentationen durch die Wählerinnen und Wähler umfassend diskutiert, kommentiert und veröffentlicht und schließlich auf den komprimierten Nenner gebracht – den abstimmenden, mehrheitssuchenden Wahlvorgängen am Ende der demokratischen Verfahren zugeführt werden.

Anfangs müssten zunächst durch eine ganz anders geartete Reihe von Applikationen die Beiträge und Eingaben von Interessensverbänden, Parteien und Vereinen sowie Bürgerinitiativen, sonstige Personengruppen und Einzelpersonen hinsichtlich ihrer Relevanz und Dringlichkeit gewichtet und gefiltert worden sein.

Es müsste lückenlos gewährleistet werden, dass sämtliche Prozeduren in sicheren Umgebungen, sicher verschachtelt und verschlüsselt am Laufen gehalten werden. Die Sicherheitsprozeduren müssten für sich genommen wiederum einer Reihe von Anwendungen gehorchen, die sie ständig vor Missbrauch und zur Abwehr von Schadsoftware oder sonstigen Angriffen bewachen oder dergleichen abwehren. Sämtliche Protokollierungen, Zertifizierungen, Bewertungen, Kategorisierungen, müssten in digital geschützten Räumen durchgeführt werden, deren Schutz wiederum ebenso lückenlos zu gewährleisten wäre.

Die größten Schwierigkeiten allerdings, der sich diese Gruppe stellen müsste, tauchten bei der Erörterung folgenden Fragen auf, die bei der Lösung der bisher beschriebenen Aufgaben nicht unbeantwortet bleiben dürften:
Welche Kriterien machen aus einer bestimmten Information grundsätzlich eine fachlich qualifizierte?
Welche Information ist der Allgemeinheit eine sachdienliche, eine nützliche? Welche nicht?
Wie stellte die Gruppe sicher, dass die Wählerinnen und Wähler tatsächlich fachlich qualifiziert informiert würden – und nicht durch fake-news?
Und wie stellte eine Expertengruppe sicher, dass die Wählerinnen und Wähler, die mit dem Klick auf einen Like-Button ihre Wahl träfen, überhaupt in der Verfassung sind, eine dem gesunden Menschenverstand entsprechende und der Allgemeinheit dienliche Wahl treffen zu können?
Kompetenz? Urteilsvermögen?
Was dient dem Allgemeinwohl? Was nicht?

Ich erinnere an das im 2. Teil des Essays beschriebene Infrastrukturbeispiel, in dem bereits ein simpler direktdemokratischer Versuch in einer kleinen Ortschaft scheitert, nämlich die durch die Errichtung eines Funkmasts in Aussicht gestellte, zügige Beseitigung gesellschaftlicher Benachteiligung von Einwohnern, im nachbarschaftlichen Vergleich, die durch sogenannte Funklöcher im lokalen Mobilfunknetz verursacht wird.

Ein (praktischer) Versuch von Direkter Demokratie oder nur Meinungsspionage?

Ein noch aktuelleres, weitaus populäreres Beispiel fand sich bei meinen Recherchen auf der Homepage des Vereins „Aufstehen e.V.“, der von Sahra Wagenknecht überparteilich initiiert wurde. Dort hatten sich binnen zwei, drei Wochen über 100.000 Interessenten registriert. Die Zahl steigt noch immer beständig an. Da heißt es im Gründungsaufruf der Weltverbesserer (das meine ich positiv!) wörtlich: „Es geht nicht fair zu. Nicht in unserem Land, nicht in Europa und auch nicht auf der großen Bühne der Weltpolitik. Profit triumphiert über Gemeinwohl, Gewalt über Völkerrecht, Geld über Demokratie, Verschleiß über umweltbewusstes Wirtschaften. Wo nur noch Werte zählen, die sich an der Börse handeln lassen, bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke. Dagegen stehen wir auf: für Gerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt, für Frieden und Abrüstung, für die Wahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen.“ So weit so gut.

Zwischendurch wurde auf www.aufstehen.de unter dem Reiter „pol.is“ ein Hinweis eingetragen, der die Hilflosigkeit ebenderselben innovativen Menschen mit guten Ideen verdeutlicht, die angesichts einer eingehandelten Datenmenge in Form von Textbeiträgen der Diskutierenden entstanden sein musste: „Liebe User, wir haben unsere erste digitale Debatte geschlossen. Es war ein großartiger Test. Vielen Dank für eure Teilnahme. Wir sind völlig überwältigt, wie viele Menschen mitgemacht haben. Unglaublich! In Kürze werden wir hier die Ergebnisse der Diskussion veröffentlichen.“
Das ist toll! Doch kritisch betrachtet entsteht bereits in einem solchen einfachen Experiment das Problem, wie nun – sozusagen hinter der Bühne – die Ergebnisse der Diskussion ausgewertet werden, damit sie in Kürze veröffentlicht werden können. Welche Ergebnisse kommen beinahe, welche überhaupt nicht zur Veröffentlichung. Anders gedacht: Demokratische, der Freiheit verschriebene Meinungsbildung ist immer ein Kompromiss suchender Prozess, also ein abwägender Prozess, doch vor allem folgt er der jeweiligen Interpretation des Einzelnen. Dennoch sollte allerdings jede solcher Abwägungen eine umfassende Informationsvergabe möglichst aller den Diskurs belangenden Kriterien vorausgehen.

Worin liegt der Unterschied zwischen Information und Meinung?

Kann man über Fakten abstimmen?

Es würde ein Irrgarten unterschiedlichster Interpretationen schon einer einzigen, kleinen Sache gegenüber entstehen, installierten wir direkte Demokratie einfach so. Beziehungsweise, noch einmal viel allgemeiner gefragt: Entsteht ein solcher Irrgarten nicht in jedem Fall während des Verlaufs einer Meinungsbildung?
Welche Kriterien ziehe ich persönlich heran, um meine Abwägungsprozesse zu entwirren und um schließlich Kraft meiner Überzeugung eine klare Wahl treffen zu können: „Ja“ oder „Nein“?
Welcher Partei habe ich bei der letzten Wahl meine Stimme gegeben?
Mit welchen Überzeugungen würde ich heute meine Stimme abgeben?
Und warum?
„Like“ oder nix.

Die Technische Demokratie reguliert die globale Wirtschaft

Angesichts der globalen Religions-, Ernährungs-, und Umwelt-Probleme sowie der globalen wirtschaftlichen Disparitäten insgesamt, ist „Aufstehen“ gewiss eine gut gemeinte Absicht. Aber diese lokale Show dürfte lediglich ein weiteres Ablenkungsgeschenk sein, das uns über den bevorstehenden Untergang aller Demokratien, womöglich über den Untergang aller von Menschen ausgeführten Regierungssysteme, eine kurze Zeitlang hinwegrettet. Gemeint ist hier nicht der „Untergang“ in der von Geschichtsschreibern üblichen Verwendung des Begriffs, in der an das Versinken von Weltstädten und Hochkulturen erinnert wird, sondern im Grunde meint Untergang hier, die durch die Menschen selbst diktierte Abschaffung sämtlicher durch des Menschen Macht geführten Regierungs-Systeme und deren Verbannung in die Geschichte.

Die Etablierung einer Hand voll Algorithmen kann die Demokratie als politisches System freilich nicht ablösen. Entscheidungen aus komplexen Sachverhalten heraus können nicht durch direktes Votieren (von vermeintlich Unbeteiligten oder Unwissenden) herbeigeführt werden. Entscheidungskriterien sind entsprechend der komplexen Sachlagen vernetzt und können nicht durch gewählte Fachgremien ermittelt und als Tweet oder Newsletter an die Öffentlichkeit ausgegeben werden. „Diskutiert und debattiert wird im Netz. Gewählt wird mit Ja, Nein oder Enthaltung. Das ist Mumpitz!

Eine Tangente dazu: Trump twittert eine Message und erhält 25.000 Likes binnen einer Stunde. Was ist das für ein Phänomen? (Berührt den Themenkomplex „Populismus“, hier ein Hinweis auf mögliche Antwortgeber: Dolata U., Schrape JF., Kollektivität und Macht im Internet, 2018, Springer VS, Wiesbaden)

Versuchten wir uns die Reaktionen vieler Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Nachbarländer, die durch ein christliches Gebot der Nächstenliebe, einen guten Willen und eine mutige Tat der Bundeskanzlerin Angela Merkel im Spätsommer 2015 ausgelöst wurden, zu erklären, wir würden an der Vielschichtigkeit der Problematik, wie an unserem gesunden Menschenverstand scheitern. Die Reaktionen auf diesen humanitären, finanzwirtschaftlich durchaus beherrschbaren Aufriss eines grenzenlosen, gastfreundschaftlichen Europas und die Bereitschaft der Kanzlerin – die Potentaten aller Europäischer Länder hinter sich wähnend – zu umfassender Hilfeleistung, nämlich flüchtende, in Not geratene Mitmenschen aufzunehmen, haben an Heftigkeit bis heute stetig zugenommen.
Rechtsradikale Gesinnung ist mittlerweile im Bundestag der Republik vertreten.
In diesem ehrenwerten und geschichtsträchtigen Hause müssen nun erneut Demokratie und Grundwerte verteidigt werden. Dies geschieht ganz offensichtlich so, als gelte es aufgrund menschenverachtender Wortbeiträge, die nun aus diesem rechten Lager in einer unverhohlenen neuen Frische vorgetragen werden, die Holocaust- und Kriegserfahrungen, erneut aufarbeiten und ins Bewusstsein zurückrufen zu müssen. Es ist eine Schande! Ich schäme mich dafür.

Anhand der „Willkommenskultur“ (ein wirklich schöner Wikipedia-Eintrag) lässt sich ein geradezu paradiesisches Gesellschaftsmodell erahnen, dessen Verwirklichung sich unaufhörlich ankündigt und das wohl der Traum eines jeden jungen Menschen auf der Erde ist. Manche unter ihnen werden zu Weltverbesserern, zu Typen, die ihre Jugendträume als ihr kostbarstes Gut bewahren und die bis ins hohe Alter für ihre Ideale kämpfen. Eine mächtige innere Bewegung hat an jenem Anfang (Flüchtlingsstrom 2015) in allen irgendwie beteiligten Herzen eine bedeutende Erinnerung wachgerufen: Alle Menschen sind wahrlich gleich. Kein Mensch leidet Hunger und Not. Jede Familie hat ihr Auskommen und wird von der teilenden Gemeinschaft getragen.
Das ist kein sehr alter Menschheitstraum. Eine Hoffnung tragende, jung bleibende Sehnsucht, die unter den Spannungsbögen alter Religionen und alter Kulturen von alten Mächten immer wieder zerrissen wird, ist es allemal.
Ein Weltregierungsmodell, das allen Menschen gleichermaßen gerecht werden will, lässt sich in vielen hoch entwickelten Gesellschaften wiederfinden. Das Modell versteht sich nicht als Herrschaftssystem, sondern als ein an Gleichheit, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit orientiertes Regelwerk, dem sich alle Menschen unterwerfen. Es wiederholt sich als ein paradiesisches Ideal in der Menschen Traditionen als wäre es schon immer an ihnen, diesen Inbegriff menschlicher Humanität zu verwirklichen.
Und dieses Urbild spiegelt sich in uns als eine Utopie, weil wir uns selbst, aber vor allem die Anderen aus Habgier, Neid und Eitelkeit außerstande sehen, es zu verwirklichen. Wir erfahren es in aller Verschwiegenheit in unseren Gefühlen, unserem Gewissen und finden es in unseren Gesetzen, unserer Moral, unserem Glauben, unseren Sitten und Bräuchen wieder. Früher oder später wird aus Träumen, die die Menschen träumen, Wirklichkeit.
Doch wenn aus jener humanitären, inneren Regung heraus an jenem 15. September 2015 und in den darauffolgenden Wochen dieses Urbild die Menschen übermannte und ihre offenen Herzen erfüllte, sich also die Kenntnis einer möglichen Wende zum Guten hin Bahn brach, dann verstehe ich es als Verrat an allen Beteiligten, den notleidenden und den helfenden Menschen, wenn alsdann von den unbeteiligten Herrschern in aller Öffentlichkeit gar eine ganze Kultur, nämlich die Willkommenskultur ausgerufen wird, damit sich die Gewissen der Reichen, der Geizigen, der Bequemen der Schuldigen also, beruhigen und den Habgierigen und Maßlosen ein Argument zur Rechtfertigung in die Hände gespielt bekommen.
Ja, wahrlich, die „Willkommenskultur“ ist eine Lüge, ein Betrug an den wahren Bedeutungen der Wörter „Willkommen“ und „Kultur“. Mit ihr war das Scheitern des mutigen Merkelianischen Projekts Bahn gebrochen. Die Angst vor Überfremdung und vor dem Verlust der Reichtümer und die Angst der Anderen war mächtiger. Stacheldraht und Grenzsoldaten werden uns beschützen. Schwach ist der Mensch. Und er hat noch immer Angst vor seinesgleichen.

Ich persönlich? Ich weiß nicht mehr weiter. Ich weiß auch nicht, welche Partei ich künftig wählen soll, womöglich wählen muss. Ich weiß aber ziemlich genau, dass ich mit meinen Ansichten nicht alleine stehe.
Eine Schande ist das. Ich schäme mich. Wir schämen uns!

Sie erinnern sich:

  1. Der Mensch ist (sobald er satt ist) ein verwöhntes Dösewesen. Er hat nicht mehr Beziehung zum Tod als zu Angst und Gleichgültigkeit: er verdrängt, aber er hat Hoffnung und träumt phantastische Träume vom Ewigen Leben.
  2. Er verschafft sich den wichtigsten Sinn in seinem Leben durch seine eigene Geschichte (Vorfahren/Nachkommen), Nahrung, Sicherheit, Geborgenheit und Unterhaltung.
  3. Er laugt die Erde aus, Tiere, Pflanzen, Umwelt.
  4. Der Mensch hält sich selbst für intelligent, selbstreflektiert und vernunftbegabt.
  5. Er schöpft aus seiner Erfahrung Erkenntnisse und folgert Gesetze, denen er sich selbst unterwirft. Er glaubt, doch er weiß kaum etwas.
  6. Er entwickelt Vernunft und handelt kaum nach ihr.
  7. Der Mensch ist ein wachstumsorientierter Gefangener in einem endlichen Raum/Zeit-Kontinuum. Er verschafft sich Vorräte und kann nicht Maß halten.
  8. Der Mensch ist nicht in der Lage, komplexe Interdependenzen zwischen Völkern und Umwelt zu erkennen. Er ist sich in seinem Horizont selbst am nächsten.
  9. Der Mensch entwickelt zweckdienliche Techniken und entfremdet sich durch Arbeitsteilung und Spezialisierung von der Natur, seinen Produkten und letztlich von sich selbst.
  10. Der Mensch ist sich darüber bewusst und handelt dennoch entgegen seiner bisherigen Erkenntnisse, staunend, dumm, neugierig, spielend und doch sich erfahrend und von sich und dem Gegenüber wissend.
  11. Der Mensch ist ein vernunftbegabter, lernfähiger Organismus, er lernt ein Leben lang Vergangenes. Er kann Künftiges nicht lernen – er entdeckt bereits Vorhandenes. So weiß er es und so spricht er über sich selbst.
  12. Der Mensch denkt, er kenne den Unterschied zwischen Fakten und Vorstellungen. Die Regierenden erwägen aus diesen Unterscheidungen die Kompromisse und leiten die Regeln des Zusammenlebens mit seinesgleichen und allen anderen Existenzen auf der Erde ab.
  13. Der Mensch kennt Gutes und Böses, Richtiges und Falsches. Doch er handelt stets in der Ambivalenz, im Kompromiss, denn er weiß, was er auch immer tut, es wird dem Einen nützen und dem Andern schaden.

Zwischenbemerkungen:

Nun bewegen wir uns, sie wissen es bereits, in einer schnell daher walzenden, globalen Welle von Veränderungen. Alle Völker sind betroffen. Kein Mensch kann sich ausnehmen. Wir haben uns alle mit drastischen Veränderungen unserer Lebensbedingungen auseinanderzusetzen. Klimakatastrophen werden prognostiziert. Migrationen, Revolten und Kriege finden bereits statt und werden zunehmen. Ein Ende von wirtschaftlichem Wachstum, wirtschaftlicher Stabilität, Abbau der Ressourcen und Ausbeutung von Drittländern zeichnet sich ab. Doch die Vertreter der Völker dieser Erde werden diese Probleme nicht auf demokratischem Wege im Sinne einer Verständigung, durch einen diplomatischen Diskurs oder einer wirtschaftlichen Übereinkunft lösen können. Diese Probleme sind interdependent und unüberschaubar komplex in ihren bestehenden Vereinbarungen, Verträgen und Bündnissen in die kulturellen Differenzen miteinander verwoben.

Nun. Meines Erachtens könnten die Menschen dank der digitalen Form, in der aktuell Sachlagen und Fachfragen global erfasst, erörtert und wichtige Ergebnisse verfasst werden, eine Methode entwickeln, mit der grundlegende Entscheidungen und Beschlüsse getroffen werden. Selbstverständlich könnte dies völlig abgekoppelt von den gegenwärtigen Machtapparaten, ihren Regierenden und ihren Verwaltungen geschehen. Dabei kommt einem zwangsläufig die Volksbefragung in den Sinn, die man beispielsweise in den ersten Tagen nach dem 15. September 2015 hätte durchführen können. Etwa mit der Frage, ob Deutschland sich seinen Anrainerstaaten anschließen soll und die Landesgrenzen dicht machen oder doch weiterhin seine Türen für die Flüchtenden offenhalten will. Oder dies gar auf europäischer Ebene: nicht auszumalen, was bei einer derartigen Volksbefragung in Ungarn zu diesem Zeitpunkt herausgekommen wäre. Aber ich wähle aus gegebenem Anlass eben nicht jene Bürgerbeteiligung im Kontext eines parteipolitischen Kalküls, sondern ein anderes Exempel: Den Betrug. Der offensichtliche, mittlerweile nachgewiesene Wahlbetrug zum Schaden der Demokratie (vertreten durch Hillary Clinton), der Donald Trump zum Sieg der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten von Amerika verhalf.

Die Wahl war manipuliert worden. Bürger in „wackeligen“ Wahlbezirken hatten gezielt Falschinformationen erhalten, die dadurch ihre Wahlentscheidung zu Gunsten Trumps trafen. Facebook und andere Portale hatten die persönlichen Daten ihrer User zuvor an eine englische Firma verkauft, die diese Daten gegen die Bezahlung von 11 Mio. US-Dollar für den Missbrauch aufbereiteten. Zum Beispiel erhielt ein Bürger in einem der betroffenen Wahlbezirke, bei dem man aufgrund seiner Aktivitäten und Äußerungen im Netz davon ausgehen konnte, dass er ein Freund von Handfeuerwaffen ist, beim Aufrufen bestimmter Websites ein Bild übermittelt, das Hillary Clinton zeigte, die genau diese Art von Schusswaffen abschaffen wolle, wenn sie die Wahl gewänne. Das hatte bei unserem Wähler natürlich Wirkung gezeigt.
Wohl überlegt verwende ich genau dieses negative Beispiel, weil mir einerseits nichts natürlicher erscheint, als das kritische Hinterfragen der Richtigkeit aller Informationen, auf die ich mich in meiner persönlichen Meinungsbildung verlassen können muss, mir andererseits aber die technischen Möglichkeiten der Filtration und Aufbereitung von persönlichen Daten zu bestimmten Zwecken vorgeführt werden.

Wenn nun die Fragen tatsächlich eine Größe bzw. eine Relevanz hätten, dass sie mit einem eindeutigen Ja oder Nein beantwortet werden könnten, also keine schwierigen Abwägungen getroffen werden müssten, die zwangsläufig in eine komplizierte Kompromisslage führen würden, dann scheinen sie für meinen hier vorgeführten vorerst letzten Versuch geeignet.

Ein fiktives Beispiel

Will Deutschland seine Klimaschutzziele bis 2025 erfüllen? Ja oder Nein?
(Informationen für besonders Interessierte unter:
https://unfccc.int/documents insbesondere unter dem Reiter „Beschlüsse“ (Inhalte legen über den geringen Machtumfang, in dem die Agierenden ihre Beschlüsse fassen, Zeugnis ab. Die vorsichtigen, oft diplomatischen Formulierungen im Konjunktiv sprechen für sich)
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/461/publikationen/4146.pdf
insbesondere Kapitel 3.2.1 (…dokumentiert lähmende Methoden))
Nehmen wir einmal an, wir stellten diese Frage den deutschen Wählern zur Abstimmung und sie würden sie mit absoluter Mehrheit mit Ja beantworten. Der direktdemokratische Teil der Prozedur wäre sogleich mit diesem eindeutigen Ergebnis abgeschlossen.
Nehmen wir weiter an, wir hätten bereits einige Algorithmen am Laufen, die die ausschlaggebendsten Schadgaserzeuger – aufgrund ihres schlechten Schaden/Nutzen-Verhältnisses zum Beispiel den Betrieb von Kohlekraftwerken, den Betrieb von Hausheizungen und den Betrieb von SUVs – mit einem positiven Befund belegt hätten. Nehmen wir weiter an, dass eine drastische Verschärfung, wenn nicht gar ein gänzliches Verbot des Betriebs dieser Emittenten für eine effektive Verringerung des CO2-Ausstoßes eine hohe Priorität zugesprochen würde, dann wären folgende regulierende Maßnahmen denkbar:
a) Die sofortige Stilllegung aller Kohlekraftwerke in der Bundesrepublik. Begründungen und daraus gefolgerte Maßnahmen: Die Energieversorgung wird durch diese Maßnahme nicht beeinträchtigt und ist unverändert sichergestellt. Der Bund hat 2 Milliarden Ausfallsumme an die Versorger zu entrichten. Die Abbruch- und Entsorgungskosten gehen zu Lasten der Energieversorgungsunternehmen. Der mit allen Emissionsverursachern gewichtete Anteil der Kohlekraftwerksemissionen verlangt einen Ausgleich seitens der Unternehmen und privaten Haushalte. Sie werden mit einer CO2-Abgabe in Höhe von 120.- Euro je Tonne belegt. Die Emissionsmessungen hat der Verursacher nachzuweisen. Die Kosten der Emissionsmessungen hat der Verbraucher zu tragen.
b) In sämtliche Heizanlagen privat und wirtschaftlich genutzter Gebäude sind bis 2023 Filteranlagen zur Vermeidung von Feinstaub und CO2-Ausstoß zu installieren. Die Installationskosten sind von den Betreibern zu entrichten. Die Kosten für die technischen Anlagen trägt der Bund.
c) Die Produktion von Personenkraftwagen, die einen CO2-Ausstoß von 135 g/km (entspricht etwa 90 g/km ohne den Anteil der Kraftstoffherstellung) übersteigen, ist zum Ablauf des Folgejahres (in diesem angenommenen Fall wäre das 2019) einzustellen. Alle PKW, die diesen Grenzwert übersteigen verlieren mit dem Ablauf des Jahres 2023 die Zulassung zum Straßenverkehr und sind hier […] gelistet.
d)…
e)…
usw.

Es ist zum Verzweifeln, je öfter ich mir die obenstehenden, einfach und logisch erscheinenden Schlussfolgerungen noch einmal vor Augen führe, desto mehr entziehen sich die Klassifizierungen und Wichtungen der Abwägungen meinen Vorstellungsfähigkeiten. Derlei Anstalten halte ich schlussendlich für abwegig und absurd. Es kommt einem so vor, als seien sie lächerlich. Warum?

Begutachten wir die Liste der größten Kohlenstoffdioxidemittenten (Wikipedia) so wird uns ziemlich schnell deutlich, dass die Interessen der Länder sehr weit auseinanderliegen. Aufgrund der unübersichtlichen Gemengenlage hinsichtlich des gesamten CO2-Ausstoßes auf der Erde spielt es vermutlich nur eine verschwindend kleine Rolle, ob wir in Europa nun SUVs fahren oder nicht. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Verzicht auf Automobile, die einen CO2-Ausstoß von mehr als 90 g/km verursachen, wie ihn die EU-Kommission derzeit durchsetzen will, nichts bewirkt. Einen gewissen Teil würde dies schon zur Umweltschonung beitragen – wenn auch nur einen sehr kleinen, einen sehr winzigen Teil.

Ein logischer, nächster Gedanke, den es sich zu folgen lohnte, wäre, dass das oben beschriebene Experiment sofort in jedem Land der Welt durchgeführt werden müsste, vor allem in jenen des Fernen Ostens.

Gesetzt den Fall, dieses Experiment würde tatsächlich in allen Ländern in näheren Betracht kommen, dann müssten wir vor Beginn der Umsetzung eines derart kühnen Vorhabens vorsichtshalber und fairerweise einen weiteren Faktor zur Abwägung gegenüberstellen, der eine ganz neue, jedoch unmittelbar auf ihn treffende Komplexität aufmacht: Den Treibhauseffekt.
In Permafrostgebieten (Arktis, Antarktis, Hochgebirge) sind zwischen 13.000 und 15.000 Gigatonnen Kohlenstoff gespeichert, etwa doppelt so viel wie in der gesamten Erdatmosphäre: Beim Auftauen der Permafrostböden wird dieser als CO2 freigesetzt. Dieser Prozess wird durch den Klimawandel beschleunigt.
Mit diesem Querschläger wären wir also endgültig in apokalyptischen Vorstellungen oder in der komplexen Welt der Kompromisse angekommen.

An dieser Stelle würde ich resignieren. Ich bekenne: Dieser Versuch führte zu nichts.
Dennoch möchte ich nun die oben begonnene Liste mit ihrem zukunftsweisenden Teil zu Ende bringen und darauf insistieren, dass es sich unter Umständen entgegen der frustrierenden Aussichten lohnen könnte, mein Vorhaben zu diskutieren und weiterzuentwickeln.
Der Mensch selbst legt also die wenigen, aber für sein irdisches Überleben unabdingbaren Grundregeln je in seinem Volke, in seiner Sozietät fest. Er selbst vereinigt alle Menschen aller Völker unter dieselben Grundregeln.

  1. Der Mensch will überleben und er muss aus diesem Grunde alle demokratischen Entscheidungen, die sein künftiges Handeln bestimmen, an technische Intelligenzen übergeben. Das tut er auf der Basis dieses Willens und angesichts seines egoistischen, überaus zerstörerischen und maßlosen Verhaltens.
  2. Der Mensch wird technische Systeme weiterentwickeln, die seiner Logik, seiner Vernunft und seinen Gesetzen gehorchen. Vor allem aber muss der Mensch die Erhaltung der Erde, mithin die Bewahrung von Lebensräumen für Mensch und Tier gewährleisten.
  3. Intelligente, lernfähige Systeme leiten aus den wenigen Grundlagen und den faktischen Umweltbedingungen unsere Verhaltens- und Verfahrensanweisungen ab, sowie Gesetze und Sanktionen.
  4. Der Mensch ist anpassungsfähig. Der von sich selbst entfremdete Mensch wird sich nun durch technische Einheiten regulieren lassen. Einheiten, die einer Vernunft gehorchen, die wiederum auf den Erhalt seines Lebensraumes zielt. Homo digitalis fügt sich, denn er weiß, er braucht verlässliche Strukturen, ein sicheres Auskommen und eine friedvolle Gemeinschaft, nur so kann er überleben.

Mit dem Ende dieser Abfolge ist nun das Ende einer Kurve und zugleich der Anfang einer nächsten gemacht. Sie erinnern sich sicherlich an die eingangs beschriebene Metapher mit dem Zirkel, dessen Spitze in jener Büchse der Pandora steckt, in der zwei Prädispositionen unlösbar ineinander verschränkt sind: die emotionale Intelligenz und die kognitive Dissonanz. Die feinen Linien entfernen sich in wachsenden Radien von diesem Zentrum. Eine Spirale wächst aus sich selbst heraus. Mit jedem weiteren Argument, mit jedem fortführenden Aspekt ist der Radius ihrer offenen Bahn vergrößert und ihre filigranen Linien (die Argumente) werden so zu Kurven (zu Themen), die gekrümmte Flächen (die Sachlagen) umschließen und die sich mit jeder Runde weiter vom Zentrum entfernt und umso komplexer erscheint und die sich mit jeder neuen Biegung auch vor dem Auge des Betrachters entfernen und dessen Verstand verklären.
Die involvierten Personen haben in all derartigen Sachlagen allesamt nichts mehr zu verantworten.

Die Demokratie ist am Ende, nicht weil sie keine Wähler mehr findet, sondern weil sie nichts mehr zu verantworten hat.

Die Verantwortung haben längst die Systeme übernommen.

Das können wir leicht an der sensiblen Reaktionsfähigkeitt des Finanzmarktes erkennen.

Da arbeiten Algorithmen.

Etliche Menschen ergaunern sich mit ihrer Hilfe viel Geld.

Es geht um nichts Geringeres als die Welt zu retten

Liebe Leserinnen und Leser,

LTC ist ein Akronym und steht für Local Think Cell (ortsgebundene Denkzelle).

Eine LTC ist keine Partei und will auch keine werden.

Sie ist eine kleine lokale Gruppe von Menschen, die nicht über sich hinauswachsen will, die aber die Lage der Welt ernst nimmt.

LTC ist der Name einer kleinstmöglichen politischen Zelle. In ihrer Form ist sie, wie die Faser eines global gedachten Wurzelwerks, aus dem nichts Geringeres als eine neue Weltregulierung erwachsen könnte.
Nur eine sich selbst generierende unparteiliche Weltregulierung, vermag die zerstörerischen Begierden des in seinem stolzen Patriotismus und seiner sprachlichen Enge lebenden Menschen zu bändigen.

Eine LTC will nichts Geringeres als die Welt retten.

Sie will keine Macht erringen. Sie leistet einen kleinen, friedvollen Beitrag, indem sich ihre Mitglieder einer Auseinandersetzung stellen und ihre errungenen Ansichten kundtun.

 

Der vorliegende Essay ist die Diskussionsgrundlage.

Einschub: […eine solche Auseinandersetzung könnte zum Beispiel folgende Züge haben: Stellen sie sich vor, es wäre Bundestagswahl, alle gehen in ihr Wahllokal und niemand gibt seine Stimme ab. Es ist ein Naheliegendes anzunehmen, eine LTC könne nur dann etwas erzielen, wenn sie Macht erringe und damit an Durchsetzungskraft gewänne. Doch dank der Sozialen Medien ist dem nicht mehr so. Dennoch hilft es einer LTC nichts, wenn sie sich Feinde macht. Wir müssen die Regierenden aller Länder zu unseren Freunden machen. Wie machen wir das? Wir könnten unseren Lebensraum vor seiner endgültigen Zerstörung bewahren. Wir brauchen die Regierenden aller Länder, die Staatsbediensteten in den Ministerien und Verwaltungseinheiten, denn sie setzen das, was wir fordern, in die Realität um.

Es nützt global gesehen nichts, wenn wir den CO2-Ausstoß unserer Autos begrenzen. Das Wachsen der chinesischen Wirtschaft führt den Wirkungsgrad eines solchen Unterfangens geradezu ins Lächerliche. Deshalb ist eine fallende Ordnung angezeigt. Sie ist einfach und zwingt alle von der obersten Dimension abgeleiteten Elemente untergeordneter Dimensionen in die Restriktion.

Das heißt, dass der vermeintliche Beschluss aller Regierenden, beispielsweise die Emission von CO2 bis zum Ende des Jahres 2022 zu halbieren, durchaus zur Folge haben könnte, dass neben dem freien Fall in eine vorübergehende Regression, der Abschaltung sämtlicher Kohlekraftwerke auf der Erde und der Eindämmung des Konsums von Fleisch und Milchprodukten nicht zuletzt auch die Plastiktüte und der Joghurtbecher verschwinden würden…]

Zur Verbreitung des Textes:

Die Übersetzung wichtiger Textstellen des Textes und der Transfer in andere Länder wäre zur Verbreitung der LTC-Motivation dringend notwendig, bzw. wäre eine Integrierung des übersetzten Essays oder wichtiger Auszüge auf bereits bestehende Plattformen besonders förderlich.

Kickoff in Königsfeld-Neuhausen am 24.11.2018:

Unter dem Label „LTC Königsfeld-Neuhausen“ werde ich in Kürze einige interessierte Königsfelder zu einem Meeting in meine Privaträume einladen. Ich möchte mit ihnen die Inhalte dieses Essays diskutieren, um mit ihnen zusammen möglicherweise schnelle und bessere politische LTCs auf die Startbahn zu helfen und die dazu notwendigen Techniken entwickeln zu können.

Zunächst habe ich ein paar Flyer drucken lassen und sie in meinem Stadtteil in die Briefkästen geworfen, im Königsfelder Park einige unangekündigte öffentliche Reden gehalten und dabei einen unparteiischen Ton angeschlagen. Ich hatte mir überlegt, dass ich u.a. einige geeignete Textpassagen aus dem vorliegenden Essay zitiere und eine Journalistin dazu einlade.

Ich werde meine Freunde und Bekannten über all die Ereignisse und Bewegungen auf meinen Facebook-Seiten, via Newsletter und Tweets informieren und sie bitten, es mir gleich zu tun. Ich bin sehr gespannt auf unsere Gespräche: Think big!

Aufruf

Alle Menschen, die wirklich die Welt retten möchten, fordere ich hiermit auf, eine eigene kleine LTC zu gründen. Diskutieren sie und öffnen sie für sich, gemeinsam mit ihren Nachbarn neue Wege. 

Empfehlung

 Lesen sie den Essay.
Verstehen Sie.
Schenken Sie dieser Aktion ihr Wohlwollen (likes and comments).
Laden Sie zum Gespräch ein.

Anfrage

Ich bitte um die Publizierung der Fortschritte und Erfahrungen auf meiner Facebook-Seite und bei Twitter unter #LTC oder #restrictCO2 oder #CO2  //  
Achtung! Ignorieren Sie bitte diese Anfrage!
Meine Facebook- und Twitter-Accounts sich abgeschaltet!

Kontaktmöglichkeiten zum Autor, (bestehen weiterhin) weitere Informationen und eine kostenfreie Druckvorlage für den Einladungs-Flyer finden sie unter:

www.ralphbaumann.de

Vielen Dank!

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