6. Der Herausriss aus dem Ganzen und die teleologische Konstitution des Denkens

Lehrstück über Isomorphie und das Phänomen Trinkschale

Wir sind geneigt die Auslassung der Einlassung als das stets vorläufige, deshalb erst in seinen Auswirkungen erkennbare Dilemma des Menschseins in Bezug auf Äußerlichkeit zu interpretieren, nehmen uns selbst, die wir hier verfassen, nicht aus. Die Sezierung einer Entität geschieht zwangsläufig in ihrer Benennung im divergierenden und differenzierenden Ansetzen des Betrachtens: „[…] hier, diese Fichte […].“ Der vereinzelten Äußerlichkeit (des Fichtenwaldes) in Gänze abspaltende Isolierung geschieht „spätestens“ durch die transzendierende Form der Erkenntnisgewinnung selbst, die ihre Ergebnisse (also den IKEA-Tisch) in konventioneller Manier, wie gesagt zum Zwecke zwischenmenschlicher Kenntnisnahme, versprachlicht: „[…] ist krank. […]“ (also Brennholz). Eine derartige Prozedur ist üblicherweise im Abschluss einer jeden Untersuchung vermittels ihrer Verschriftung in wissenschaftliche Form holotisch; ich entlehne diesen Terminus der Biologie, weil er auf den Holotypus verweist, der als dasjenige konkrete Exemplar einer Tierart bezeichnet wird, das in seiner Art erstmals wissenschaftlich beschrieben wird. Nur im „Herausriss“ einer Fichte also, sodass man sie wissenschaftlich untersuchen und beschreiben könne, bringen wir im Zurückstellen des Baumes: „[…] und wird zu Fällung markiert […],“  einen ganzen Fichtenwald in seinem Zustande zur Erkenntnis. Auf diese Weise die Sichtung des ganzen Waldes vollzogen, wird erst ein Ganzes, (was z. B. der Schwarzwald in seinem Bestand ist: nämlich zu 70% erkrankt, also als Brennholz freigesetzt), aus dem Ganzen, (der Ur-Fichtenwald vor seiner Typisierung). Freilich steht dieses Beispiel nur auf einem Bein, schon dadurch, dass der Fichtenwald seit einigen Jahrhunderten sowieso bloß noch als ein forstwirtschaftliches Produkt „gesehen“ wird und in seinem ursprünglichen Zustande zumindest hierzulande gar nicht mehr vorkommt. Wir zeigen es dennoch auf, weil jedem Hörer (Leser), vielleicht mit der Ausnahme jenes Försters, der vor lauter Wald den Baum nicht mehr sieht, schlechterdings bekannt ist, was ein urwüchsiger Fichtenwald eigentlich ist.

Auch Kant spricht, stets selbst in das Kriterium dieser menschlichen Weise (Begabung) des Herausreißens eingebettet (hier als eine den Gegenstand abstrahierende Transformation sinnlicher Anschauung in Denkleistung), durch und durch von selbiger prädisponiert und für sie qua ausgeprägter Sinnlichkeit und hohem Verstand prädestiniert. In dieser Prädestination und seiner vollumfänglich uneingeschränkten Disposition dessiniert er seine ganze Philosophie, zwar bloß als ein Organon des Innerlichen und Äußerlichen, sich aber stets dessen logischen Schemata explizit bewusst. (vgl. Kritik der reinen Vernunft, 1787, B 82-86 und B 294 ff)

Die teleologische Konstitution ist allen Nachdenkens überhaupt (und des philosophischen Nachdenkens im Speziellen) inhärent und hat einen die Wirklichkeit entfremdenden Zug an sich, der die Klärung des Verstehens von Wirklichkeit hemmt oder sie gar ganz verunmöglicht und der durch jene ursprünglich kindlich neugierige Weltschau, d.i. das Spiel und die Freude entdeckende Anschauung im haptischen Experiment, ein alles Weitere konditionierendes, zerstörerisches Gemüt provoziert. (Mit der einschränkenden Bemerkung, dass all dieses bloß als Andenken, als Vordenken zusammengeschnipselt sein kann).

Erst in seiner Überführung in die Transzendenz des Gegenständlichen des Gegenwärtigen, als ein in räumlicher und zeitlicher Form vollzogener Akt rein menschlicher Anschauung, findet der Gegenstand sinnlicher Anschauung seine ihn selbst abschließende Vervollständigung, wobei wir den Begriff „Vollendung“ hier zwar schon denken, ihn aber noch nicht leichtfertig setzen wollen. Bliebe eine solche transzendierende Geistesleistung aus, währe er (der Gegenstand) nichts, bzw. er wäre für „andere“ etwas ganz anderes, bzw. er wäre nie als ein und derselbe definit.

 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis oder zum nächsten Kapitel

 

^

0 comments on “6. Der Herausriss aus dem Ganzen und die teleologische Konstitution des DenkensAdd yours →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.